"Women in Jazz": Festival heißt Musikerinnen aus aller Welt willkommen

Jubiläen sind allemal ein Grund zum Feiern - und auch wenn dieses kein rundes ist, darf man es dennoch bemerkenswert nennen: Vom 25. April bis zum 9. Mai findet in Halle, dem Saalekreis und in Magdeburg das Festival „Women in Jazz“ statt - bereits zum 15. Mal. Nachdem zuletzt französische und britische Jazzerinnen im Mittelpunkt standen, wird es 2020 um „Jazz from America“ gehen.

Als der hallesche Konzertveranstalter Ulf Herden seinerzeit sein erstes, den Frauen gewidmetes und überwiegend auch von ihnen bestrittenes Festival ankündigte, hat mancher milde gelächelt: Warum nicht mal Spartenprogramm - aber groß herauskommen wird das nicht.

Doch es sollte anders kommen. Das Festival hat sich von Jahr zu Jahr fester etabliert und stärker profiliert, die Gemeinde ist gewachsen und treu. Und die Ansteckungsgefahr, im Kulturellen ohnehin stets erwünscht, ist auch gegeben. Von der wohlwollenden Skepsis zu Beginn hingegen ist nichts mehr zu spüren.

Wie das kam, hat auch mit der Entwicklung des Jazz überhaupt zu tun. Ursprünglich ja eine reine Männersportart, bei der Frauen von den männlichen Alleskönnern nur gnädig geduldet und als stimmgewaltige „Deko“ zugelassen waren, hat sich die Szene in den vergangenen Jahren stark gewandelt. „Die Frauen sind schuld“, sagt Herden: „Sie haben den Jazz vielfältiger, lebhafter und offener gemacht.“

Längst sind Instrumentalsolistinnen in der Szene keine Exotinnen mehr. Und die männlichen Kollegen haben offensichtlich ihre Angst überwunden, dass die selbstbewusst auftretenden Musikerinnen den heiligen Jazz trivialisieren könnten. Oder ihnen, den Platzhirschen, die Schau stehlen. Solche Ängste soll es ja auch anderswo geben, bis hinauf in die Vorstandsetagen großer Wirtschaftsunternehmen.

Beim Thema praktizierter Gleichstellung können die Jazz-Frauen also durchaus eine Vorreiterrolle für sich in Anspruch nehmen. Die renommierte Pianistin Julia Hülsmann zum Beispiel. Sie ist ein Star. Ihrem musikalischen Instinkt und Temperament vertrauen sich auch Männer gern an, um gemeinsam mit ihr zu spielen. In Halle ist sie längst als feste Größe gesetzt und wird beim kommenden Festival „Women in Jazz“ wieder am Start sein, auch wenn sie keine Amerikanerin, sondern Deutsche ist.

Eine der Programmsektionen wird sich ohnehin ausdrücklich Musikerinnen aus unserem Land widmen. Neben Julia Hülsmann, die unter anderem ein Solokonzert im halleschen Händel-Haus gibt, wird dazu auch die Altmeisterin des ostdeutschen Jazz, Uschi Brüning, erwartet.

Hülsmann ist in einer weiteren Reihe verpflichtet, „The next Generation“ genannt. Dabei wird sie mit zwei jungen Sängerinnen auftreten: Mia Knop Jacobsen aus Dänemark und Cansu Tanrikuku, die aus der Türkei stammt und in Berlin lebt. Geplant sind unter anderem auch ein Kinderprogramm und ein Jazz-Gottesdienst. Einheimische Akteure wie die Bigband des Konservatoriums Halle und die Uni-Bigband Halle sind ebenfalls dabei.

In der Hauptsektion, die dem Festival seinen Titel gibt, werden Musikerinnen aus Amerika zu erleben sein - nicht nur aus den Vereinigten Staaten, sondern auch aus Kanada und Kuba. Unter den US-Amerikanerinnen sind wiederum einige, die eingewandert sind und Musik aus ihren Heimatländern mitbringen. Die Familie von Areni Agbabian etwa kommt aus Aserbaidschan Solche multikulturellen Einflüsse haben dem Jazz stets gut getan.

Auch die Violinistin und Sängerin Yilian Cañizares aus Kuba, die jetzt in der Schweiz zu Hause ist, wird das beim Eröffnungskonzert am 29. April ab 19.30 Uhr im Goethe-Theater mit ihrer Band gewiss unter Beweis stellen.

››Der Vorverkauf hat begonnen,

Informationen und Tickets unter:

www. womeninjazz.de